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Samstag, 20. Januar 2018

Hans Baluschek: Peterchens Mondfahrt, 2.Teil


Das Schloss der Nachtfee


In einem gewaltigen Saal ihres Schlosses empfing die Nachtfee ihre Gäste zum Mitternachts-Kaffeeklatsch. Himmelhohe, silberne Säulen trugen eine ungeheure Wolkenkuppel, von wehenden Nebeln wie von zarten Fahnen umschwebt.


Da summte und pfiff es in der Luft, und der zweite Gast kam, die Windliese. Auf einem Besen ritt sie, sprang vor dem Thron der Nachtfee ab...


...so kam seine Schwester Frau Holle herein. Rundlich und weiß von oben bis unten war sie und sah eigentlich aus wie ein großes, wandelndes Bett mit zwei dicken, weichen Pantoffelfüßen. 


...die Sonne nahte, die Königin des Tages, die ihr gleich war an Rang und Ansehen. Alle Gäste erhoben sich mit ihr von den Sitzen, denn, obschon sie die Sonne zum Teil nicht leiden konnten, mussten sie ihr doch, als einer Königin, die schuldige Ehrfurcht bezeigen. Da schwoll die Musik heran, wie ein wachsender Sturm. Die Wolken teilten sich, und - in einem Strom von goldenem Licht schwebte die Sonne herein mit ihren Töchtern und Söhnen, der Morgenröte und Abendröte, dem Morgenstern und dem Abendstern....
So stand die Sonne der Nachtfee gegenüber, und der Saal war voll von ihrem Licht. Langsam kam die Nachtfee von ihrem Thron herab der Sonne entgegen. Auf ihrem schwarzen Haar schimmerte die blasse Mondkrone. 



Nun wollte sich der Regenfritz auch beschweren: »Der kleine Bär hat mich aber gebissen, Tüp, tüp - und mir meine Hosen zerrissen!«



Die Ankunft der Kinder im Schloss der Nachtfee





...da kam plötzlich der Milchstraßenmann wieder herbeigelaufen und lachte so fürchterlich, dass er kaum noch Luft bekam; ganz krumm stand er da und trat immer von einem Bein aufs andere. Die Nachtfee wollte wissen, was denn nun schon wieder los sei, und alle anderen natürlich auch; aber der Milchstraßenmann bekam vor Lachen kaum ein Wort heraus; man verstand nur den einen Satz:

»Frau Nachtfee, das Sandmännchen ist verrückt! Ich glaube, es hat den Mondstich gekriegt!«
Dazu wies er mit der Hand immerfort nach dem Eingang hinter sich, und richtig, da kam das Sandmännchen schon herein, allerdings in einer Begleitung, die höchst erstaunlich war: »Zwei Kinder im Nachthemd und ein Maikäfer ! «

Ebenso tat der Sturmriese, nachdem er einen plötzlichen, fürchterlichen Wirbelwind mit vollkommener Finsternis gemacht hatte, ohne die Kinder umzublasen oder auch nur zu erschrecken.

Nun kam der große Bär, vom Milchstraßenmann an der Kette geführt, durch die Wolken herbei. Ein riesengroßes Ungetüm war dieser Bär. Schneeweiß war sein Fell und dick und zottelig. Er war größer als der größte Elefant, und wenn' er brummte, klang es beinahe wie das Bullern vom Donnermann.


 Also hob das Sandmännchen die kleine, tapfere Anneliese hoch, dass sie ordentlich zielen konnte, und - happs! hatte der Bär das Äpfelchen verschluckt. In demselben Augenblick bekam er rote, gutmütige Augen und leckte sich, zufrieden wie ein kleiner Hund, die Schnauze. Das war eine Freude! 



Der Ritt auf dem grossen Bären



Da kam ihnen etwas durch die Nacht entgegen. Ein riesengroßer, leuchtender Klumpen, näher und näher! Es sah aus wie ein Kopf mit einem wehenden, weißen Bart, der viele hundert Meilen lang war. Ein Komet war es, der um den Mond herumgeflogen war und ihnen nun auf seiner Reise begegnete. Gut nur, dass sie auf dem großen Bären ritten, denn sonst wäre diese Begegnung sehr gefährlich gewesen. Als nämlich der Komet immer näher kam, sahen sie, dass er seinen Weg gerade auf sie zu nahm. Plötzlich aber stieß der Bär ein drohendes Gebrüll aus und schnaubte ganze Ströme von Funken vor sich her, während er seine furchtbaren Zähne zeigte. Da wich der Komet schnell aus und sauste neben ihnen vorbei;...




Husch, war alles wieder vorbei, und weiter ging der Ritt auf den Mond zu, dem man nun schon ganz nahe war. 


Das Sandmännchen strich sich den Schlafrock glatt, machte ein sehr feierliches Gesicht, hob bedächtig den Zeigefinger und drückte auf den Knopf. Da ertönte ein wundersames Läuten von innen, goldene Glocken mussten es wohl sein, und lautlos öffnete sich das Tor. 



Die Weihnachtswiese


Auf diesem Platze aber - ja, das war das Allerschönste! stand die goldene Wiege des Christkindchens. Neben der Wiege, auf einem schönen, himmelblauen Großvaterstuhl saß der Weihnachtsmann in seinem pelzverbrämten Rock mit einer silbergrauen Pudelmütze und schneeweißem Bart. Er hatte eine lange, schöne Pfeife mit bunten Troddeln im Munde, aus der er ab und zu großmächtige Wolken in die Luft paffte. Dazu wiegte er leise die goldene Wiege, und über der Wiege schwebte still ein leuchtender Heiligenschein. Es war sehr feierlich, es war sehr schön! 







Auf dem Rande des Nestes saßen ringsherum viele, viele Tausend Hühner in allen Farben; grüne, blaue, weiße, gelbe, rote, schwarze, bunte, gestreifte und gesprenkelte, eines dicht neben dem anderen, fein ordentlich die Schwänzchen nach innen, die Schnäbelchen nach außen gekehrt. Über dem Nest hing ein Strick vom Himmel herunter mit einem schönen gelben Ring am Ende. In dem Ring aber saß ein großer Gockelhahn. Der schlug alle zwei Augenblicke mit den Flügeln und krähte »kikeriki-i-i-ieh ! «




Der Sandmann ergriff den Kanonenwischer, kletterte auf dem Leiterchen zur Mündung der Kanone und putzte den Lauf umständlich und gründlich. Es war ja, seit der Mondmann damals vor tausend Jahren hinaufgeschossen wurde, nicht mehr daraus geschossen worden; und wenn der Lauf innen nicht so blitzblank war wie eine Kakaobüchse, konnten sich die Kinderchen leicht beim Herausfliegen die Nasen abscheuern.


Als die Kinder merkten, dass dem guten Sandmännchen so ein wenig weich ums Herz war, fielen sie ihm plötzlich um den Hals, um sich zu bedanken, und gaben ihm herzhafte Küsschen. Na, das war was für das Sandmännchen! 





Sandmännchen aber lief geschäftig zum hinteren Ende der Kanone, richtete die Mündung nach dem Gipfel des Berges, zielte genau, rief: »Achtung - Augen zumachen!« und riss an der dicken Abzugsschnur. Bums!!! ... gab es einen gewaltigen Knall, ein dicker Dampfstrahl fuhr aus dem Lauf der Kanone, und mitten darin sah man den Sumsemann wie ein braunes Kanonenkügelchen gen Himmel sausen. Der Sandmann beobachtete den Schuss ganz genau. Ja, er hatte gut gezielt; der Maikäfer war oben!




Der Kampf mit dem Mondmann




Sie froren nicht einmal, trotzdem sie doch nur in ihrem Nachthemdchen waren, so emsig sprangen sie von einem Baume zum anderen und suchten nach der Birke mit dem Beinchen. »Hurra! « schrie Peterchen plötzlich; »da hängt das Beinchen - ich sehe es, ich sehe es!« 




Als Peterchen ihn dann am Schluss seiner Erzählung bat, das Beinchen herzugeben, fauchte er:
»Du bittest mich sehr? - Was gibst du mir, Wenn ich es dir gebe, denn wieder dafür?« 




Anneliese hielt sich beide Augen fest zu und weinte schrecklich, als er ihm den Kopf abbiss, dass die Porzellansplitter nur so knisterten zwischen seinen scheußlichen Zähnen. Nicht einmal in die Schnauze schnitt er sich dabei! Das hatte sie nämlich im stillen gehofft.


... tauchte jetzt mit weit geblähten Backen der dicke Wassermann aus der Tiefe herauf. Ehe sich der Mondmann recht besonnen hatte, schoss ihm aus dem breiten Froschmaul des Wassermanns ein eiskalter Wasserstrahl mit solcher Gewalt mitten ins Gesicht, dass er sich nach hinten überschlug und zum zweiten Male am Boden herumwälzte. Er wollte natürlich brüllen; aber, kaum riss er die Schnauze auf ... zisch! ... fuhr ihm der Wasserstrahl hinein, so dass er nur glucksen und prusten konnte; und nicht eher hörte der Wassermann zu spritzen auf, bis der Mondmann triefend von dem eiskalten Wasser wie ein Toter dalag...




Rauschend fuhr es aus der Höhe herunter, mit pechschwarzen, riesigen Flügeln. Über den Mondberg hin ging ein Wirbelwind, dass sich die grauen Bäume, die so tot und unbeweglich gestanden hatten, knisternd bogen, gleich Grashälmchen auf einer Wiese. Was war das?
Der Sturmriese kam den Kindern zur Hilfe. Mit seinen mächtigen Fäusten riss er im Walde den dicksten Baum aus dem Boden, warf ihn krachend über den Mondmann und war im Nu wieder fort, wie er im Nu gekommen war. 



Ein weißes Leuchten ging vom Himmel nieder, und neben den Kindern standen, in einer Geschwindigkeit, die man nicht ausdenken kann, ihre beiden Sternchen mit gegen den Mondmann hoch erhobenen Händen. Blendendes Licht strahlte von diesen Händen gegen die weit aufgerissenen Augen des Unholdes, als er eben die Kinder packen wollte. 

Das Beinchen


Dann aber suchten sie sich an ihm die Stelle für das Beinchen. Peterchen fand ein kleines Loch unter dem dritten, schwarz-weißen Westenstreifen; da musste es bestimmt hin. Anneliese spuckte also tüchtig auf das obere Urgroßvater-Beinchenende, und dann drückten sie es mit vereinten Kräften in das Loch hinein. Anstrengend war das, ordentlich ächzen musste Anneliese dabei. Endlich saß es! Sie probierten und fanden, dass es wirklich ganz ungeheuer fest saß, so dass es gewiss nicht so leicht wieder abgerissen oder abgehauen werden konnte. ....

Über der höchsten Bergzinne aber, gerade vor sich, sahen die Kinder im gleichen Augenblick die liebliche Tochter der Sonne, die Morgenröte. 





Die Sonne warf gerade den ersten blitzenden Strahl durch das Fenster, und auf dem Fliederbusch draußen pfiff ein kleiner Zeisig vergnügt sein Morgenliedchen. Beide Kinder waren so erstaunt, dass sie sich zunächst mit weit aufgerissenen Augen anguckten. Dann sagte Peterchen - aber erst nach einer ganzen Weile: »Anneliese!« und Anneliese sagte: »Peterchen!« 


 



Dann machten sie schnell das Fenster auf, Anneliese hielt ihr Händchen hinaus, und sie sangen das berühmte Fliegeliedchen. Der kleine Sumsemann aber krabbelte emsig auf den ausgestreckten Zeigefinger Annelieses, breitete auf der obersten Spitze seine Flügel aus und ... summ ... flog er hinaus in den blauen Morgen, über den Garten, über die Wiese, weit, weit! 





Der Weihnachtsmann hatte natürlich alles gesehen, Püppchen, Hampelmann, Äpfel und Pfefferkuchen; hatte sie aus des Mondmanns Bauch wieder herausgezaubert und der Mutter schnell auf die Erde geschickt, zur Belohnung für die Kinder.

Mittwoch, 17. Januar 2018

Hans Baluschek, Maler Grafiker und Illustrator

Hans Baluschek ( 1870 - 1935) war ein deutscher Maler, Grafiker und Schriftsteller. Er gehörte zur Berliner Secession, war Mitglied im Deutschen Künstlerbund und gehörte dem Verband Deutscher Illustratoren an. Baluschek war ein Hauptvertreter des deutschen kritischen Realismus, wobei er selbst jede Form des „-ismus“ für seine Kunst ablehnte, und stellte anklagend das Leben des Proletariats dar. Seine Bilder haben entsprechend vor allem die Menschen des Arbeiterstandes in Berlin zum Thema.
Bekannt wurde er vor allem durch seine Gemälde, Illustrationen von Büchern wie Peterchens Mondfahrt und Beiträgen für verschiedene Zeitschriften der Weimarer Republik. (Wikipedia)
1933 brandmarktene die Nationalsozialisten seine Kunst als entartet und schlossen ihn später von allen Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten aus.


 Hans Baluschek, Selbstbildnis 1918
















Wir stellen hier seine berühmten Illustrationen  zum Kinderbuch Peterchens Mondfahrt  von Gerdt von Bassewitz vor, das bis heute immer wieder frisch aufgelegt wurde. Die Erstauflage erschien 1915.
1. Teil




 Frontispiz

Da stand eine schöne Frau vor ihnen im Walde und sagte: »Der böse Mann ist bestraft für seinen Waldfrevel am Sonntag. Ich bin die Fee der Nacht und habe es vom Monde aus gesehen. Zur Strafe ist er nun mit dem Holz, das er umgeschlagen hat, auf den höchsten Mondberg verbannt. Dort muss er bleiben bis in alle Ewigkeit, Bäume abhauen und Ruten schleppen.«
 



Diese Geige war ein altes Familienerbstück. Einst hatte ein Herr Sumsemann der Grille Zirpedirp, die auf der Sternblumenwiese wohnte, das Leben gerettet, als sie zu hoch auf einen Baum gestiegen war und einen Schwindelanfall bekam. Zum Dank für diese mutige Tat hatte die Grille ihrem Lebensretter die silberne Geige geschenkt. Die erbte seither im Geschlechte der Sumsemanns immer der älteste Sohn, und sie wurde hoch in Ehren gehalten.

In der Kinderstube



Dann sang die Mutter ihnen noch ein Schlaflied. Und sie sang die berühmte Maikäferballade. Hier ist sie:

»War einst ein kleines Käferlein,
Summ - Summ - Summ -Hatte zwei braune Flügelein,
Summ - Summ - Summ - Und sechs Beinchen hatte es auch
Unter seinem schwarz-weißen Bauch,
Summ - Summ - Summ....




 Da er aber weiter nichts anzufangen wusste und über die traurige Stimmung hinwegkommen wollte, nahm er seine kleine Geige und spielte sich ein lustiges Maikäfertänzchen; dazu sang er:

»Eins, zwei, drei - eins, zwei, drei,
Fiel eine Biene in den Brei;
Plumsdibums,
Dideldumdei!
Alle Käfer sitzen drum herum,
Lachen sich schief,
Lachen sich krumm,
Brumm, brumm!


Sie fingen laut an zu lachen und tanzten wie toll in ihren Hemdchen im Zimmer herum.
(Dieses Bild fehlt in einigen Reprint-Ausgaben)

Der Flug nach der Sternenwiese


Beinahe hätten sie zwei kleine, verliebte Nachtschmetterlinge, die nicht aufpassten, über den Haufen geflogen. Jetzt waren sie über dem See. Der funkelte leise. Alle seine Wellen waren von Silber. Und die dummen, dicken Karpfen, die dort wohnten, glotzten durch das Wasser, sehr erstaunt. >Oh!< dachte der Karpfenururgroßpapa, >das sind aber ein paar seltsame Enten, die da oben flattern.< Er hielt alles, was in der Luft flog, für Enten.




 »Guck! « sagte das kleine Reh Ziepziep zu seiner Mutter, »da fliegen zwei weiße Fledermäuschen!« Doch die Mutter wusste es besser, denn sie hatte feine Ohren und hörte alles, was man im Walde erzählt. »Es ist der Maikäfer Sumsemann, der mit zwei Kindern nach dem Mond fliegt«, sagte sie.





Jetzt hörten sie es deutlich; es waren viel tausend kleine Silberstimmchen ringsum. Die Sterne sangen in der Nacht;...




Auf der Sternenwiese wohnt das Sandmännchen, das eine sehr wichtige Persönlichkeit im Himmelsraum ist und viele Ämter hat. Es muss den Sternen Unterricht im Singen geben, und es muss aufpassen, dass sie am Tage, wenn sie noch nicht am Himmel stehen, ihre Strahlen ordentlich putzen.



Der Maikäfer tanzte nämlich wie ein Verdrehter auf der Sternenwiese herum ...





 Der Sandmann aber zog jetzt eine riesengroße Taschenuhr aus dem Schlafrock, tippte mit dem Finger auf das Zifferblatt und sagte:
»Gleich muss er da sein!« 




Aus einem leise leuchtenden Schaum war der Weg unter ihnen, glänzender als frischer Schnee und zarter als der Schaum der klarsten Wellen. Lautlos glitt der Schlitten auf diesem Zauberwege durch den Himmelsraum. Nur die kleinen, gläsernen Glöckchen an den Fühlern der Falter klangen leise im Takt, so, wie die schönen Tiere ihre Flügel hoben und senkten. Mächtige Bäume wuchsen zu beiden Seiten der Milchstraße; durchsichtig waren sie und mit großen, weißen Blumen bedeckt.




 Aber die Nachtfee braucht die Himmelskühe. Aus ihrer Milch wird die Mondbutter gemacht. Die braucht der Koch der Nachtfee zum Kuchenbacken; besonders für die schönen Mondscheinfladen, die es manchmal auf dem Kaffeeklatsch bei der Nachtfee gibt.«




Sonntag, 14. Januar 2018

Amanda Sonnenfels: Märchen für kleine und grosse Leute mit Illustrationen von Willy Planck

Willy Planck (1870 - 1956) deutscher Maler und Grafiker
Das vorliegende Märchenbuch mit den Illustrationen von Planck erschien 1910 und die vorliegende zweite Auflage 1921. Es gab frühere Auflagen in anderen Verlagen, aber wahrscheinlich nicht mit Bildern von Planck.
Das Buch ist sehr selten. Über die Verfasserin der Märchen, Amanda Sonnenfels, eigentlich Amanda Sonnenfeld (1868 - ?) sind nur spärliche Informationen zu finden:
Amanda Sonnenfels (d.i. Amanda Sonnenfeld; 1868-?) Geb. in Kosel in Oberschlesien als drittes Kind eines Rittergutsbesitzers, der seine Güter mehrfach verkauft und zuletzt Teile des Vermögens verliert. Zusammen mit einem Bruder und einer Schwester wächst sie unter der Aufsicht einer Erzieherin und einem Hauslehrer auf dem elterlichen Gutssitz in Kuschnitzka bei Kosel auf. Angeregt von Erzählungen der Mutter entwickelt sich ihre Neigung zu schreiben. Zusammenleben mit Familienmitgliedern in Breslau und Berlin. - Sonnenfels hielt Vorträge für die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung und stand dem gemäßigten Flügel der Frauenbewegung nah.(Kurzbiographien der Autorinnen atypischer Mädchen-Literatur)





 DER SCHLOSSBRUNNEN
 Da gaben wirklich die harten Schalen nach, - ein leises Knacken, - die Muschel flog auf, und das holdeste Wunder, das jemals geschaut worden, bot sich dar! Auf der flachen Muschelschale lag in rosenrotenSeidenkissen gebettet, von einem köstlichen, durchsichtigen Spitzenschleier überdeckt,ein goldhaariges Mädchen...


DIE GÄNSEHIRTIN
Behutsam liess sie den Schlüssel auf Wintruds Schürze gleiten, hüpfte dann auf deren Schulter, küsste sie ganz leise auf die Stirn und flüsterte ihr zuletzt ins Ohr: "Liebe, liebe Wintrud,...



 DIE FAHRT NACH DEM MONDE
 Gleich an der Türe standen zwei mächtige Strausse, welche an Perlenschnüren zierliche, mit wohlriechenden Wasser gefüllte Silberbecken im Schnabel trugen.


DIE STERNSCHWESTER
...und da sich Annchen umwandte, erblickte sie den furchtbaren Drachen, von welchem ihr der Prinz erzählt hatte.



VOM OSTERHASEN
...,da stand sie plötzlich vor einem Häuschen aus kristallhellem Zuckerkand, wie es so reizend und köstlich sicher kein zweites in der Welt gab!



DER FROMME SALEM
Als er die Augen aufschlug, erblickte er hoch im blauen Äther schwebend eine grosse Zahl wunderniedlicher, entzückender Engelchen.


DIE JUNGFRAU
Der Zwerg kicherte leise in sich hinein.
Bimbaum, was geht's mich an!
Ich steck dich in den Turm,
Du Menschenwurm!


PRINZESSIN BLAUAUG
...und die beiden Vögelzurückkehrten. Sie warfen jetzt der armen Ilse, die während des ganzen Tages noch nichts gegessen hatte, ein paar harte, sandige Wurzeln als einzige Nahrung hin...