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Freitag, 12. April 2019

Schloss Spinnweb illustriert von Edward Gorey

EDWARD GOREY wurde am 22. Februar 1925 in Chicago geboren und starb am 15. April 2000 in Hyannis, Massachusetts. Er studierte und graduierte an der Harvard University und arbeitete dann einige Jahre als Art Director für den Verlag Doubleday & Co in New York. Gorey. Er war ein renommierter Autor und Illustrator von Büchern, Buchumschlägen und Posters.
Er glaubte an die surrealistische Idee, "dass das Geheimnisvolle im Alltäglichen, im Allerbanalsten liegt". Er liebte Horrorfilme, trug am liebsten Tennisschuhe, Blue jeans und Pelzmäntel (wobei das letztere sich in seinen Büchern nachweisen lässt.) Er lebte zusammen mit 6 Katzen in einer fast leeren 1-Zimmerwohnung in einer reichverzierten Villa aus dem 19. Jahrhundert in New York.
Cobweb Castle erschien 1968 bei Holt, Rinehart und Winston, New York. Die deutsche Ausgabe Schloss Spinnweb erschien 1978 im Diogenes Verlag, Zürich.
Einige seiner Kinderbücher würde ich eher als Kinderbücher für Erwachsene bezeichnen.




 Flemmings Flinders, der in einem Gemüseladen arbeitete und Rüben, Kartoffeln, Zwiebeln und Obstsaft verkaufte, lehnte am Ladentisch, träumte und las Märchen.

 Und so zog er eines Tages seinen besten Anzug an, und sagte der Katze Nisse Lebewohl.

 ...als er einer alten Dame mit einer Warze auf einer riesigen Nase begegnete. Sie hiess Drukamella. Er hielt sie für eine Hexe...

 ...sagte sie schliesslich: "Nun gut, geh sofort weiter die Strasse entlang, bis du an einen Baum kommst, auf dem zwei Raben sitzen.

 "Das muss der Baum sein", sagte er. ...Aber es war nicht der richtige Rabe, und so antwortete er nicht.

 Und so kehrte Flemmings Flinders wieder um, bis er Drukamella wiedersah,...
"Versuche es doch einfach mit dem anderen Raben", fuhr sie ihn an.

 ...und das tat er denn auch. ..."Pass gut auf", flüsterte ihm der Rabe ins Ohr, "ich werde dir etwas zeigen."

 (Es war nämlich ein sprechender Rabe, der aus einem Vaudeville-Theater entflogen war. Signor Monteverdi, dem der Rabe gehörte, versuchte verzweifelt, ihn mit einme Netz wieder einzufangen.)

In der Mitte des Waldes war ein See, und am Ufer des Sees lag ein Ruderboot.

...und auf der Insel stand ein riesiges Haus. "Schloss Spinnweb!" sagte er erschauernd.

Er hatte Signor Monteverdi gesehen, der sich hinter Floiederbüschen versteckt hatte.

Das schöne Gesicht rief ihm zu: "Sie kommen doch hoffentlich vom Bäcker! Wir haben nämlich überhaupt kein Brot mehr."

"Ja, ich komme vom Bäcker", log Flemming ohne zu zögern, "aber das Brot ist mir ins Wasser gefallen."

"Nehmen Sie mich mit in ihrem Boot?" bat sie ihn.

Das Mädchen hatte eine kleine Mandoline mitgebracht und spielte darauf, plum plum, plum.

...aber er konnte Signor Monteverdi nicht mehr darin hindern, den Raben einzufangen.

"Vorsicht, Sie werfen ja das Boot um!" schrie das Mädchen;...

"Armer Rabe", sagte das Mädchen, und "armes Kleid" hätte sie gerne noch gesagt, denn das Kleid war neu.

Am Ufer schrieben sie ihre Namen mit Stöcken in den Sand.

Dann gingen sie spazieren und sammelten Beeren In Körbe.

"Oh, da kommen mein Vater und meine Mutter!" rief Ingaborg.

"Ich glaube, ich sage ihnen lieber ein anderes Mal guten Tag", sagte Flemming und stieg schnell ins Boot.

Ingaborgs Mutter und Vater erschienen und führten einige Bassets an der Leine.

Bald kam die Nacht.... und so rollte er sich unter trockenen Büschen zusammen und schlief ein.

Dieses Mal hatte er keinen Raben, der ihn durch das Dickicht führte...

Und nach einiger Zeit sah er wirklich Drukamella mit einem Schirm in der Hand die Strasse herabkommen...

...Und jetzt schau mich an! Ich bin nicht reicher als zuvor! Du bist mir eine schöne Hexe!

Sie nahm ihren Schirm und gab ihm eins damit über den Kopf.

Und was tat Flemming Flinders?
Er kehrte zu seinen Rüben und Kartoffeln zurück
und fing wieder an zu träumen.

Buch deckel 

Rückseite


Mittwoch, 25. Oktober 2017

The Unstrung Harp (Eine Harfe ohne Saiten) by Edward Gorey

Edward St. John Gorey (February 22, 1925 – April 15, 2000) was an American writer and artist noted for his illustrated books. His characteristic pen-and-ink drawings often depict vaguely unsettling narrative scenes in Victorian and Edwardian settings. The Unstrung Harp; Or Mr Earbrass Writes a Novel was published by Brown and Company in 1953.
Die deutsche Ausgabe Eine Harfe ohne Saiten  oder "Wie man Romane schreibt" erschien 1965 im Diogenes Verlag, Zürich.


Hier sehen wir ihn (Ronald Frederic Melf) auf dem Krocket-Rasen hinter seinem Haus...

Es ist zur Teestunde des siebzehnten November, Melf ist ein wenig besorgt....und bis jetzt ist ihm noch kein Stoff eingefallen, auf welchem der Titel EINE HARFE OHNE SAITEN anwendbar wäre.

Melf setzt sich hin und schreibt. Zur Arbeit trägt er niemals etwas anderes als einen Sportpullover...

Melf sitzt in der Badewanne und denkt über eine Rückblende nach...

...klopft Märsche auf die Scheiben oder summt eine Melodie....

Er geht in die Küche, um sich etwas zu essen zu suchen, nimmt aber das Manuskript mit,...

Das siebente Kapitel ist fertig, und allmählich nähert sich nun doch der Punkt, da Melf sich entscheiden muss, auf was er eigentlich hinauswill.

Bei einer verlassenen Fabrik, in welcher zur Zeit seiner Kindheit beliebte Scherzartikel und Feuerwerkskörper hergestellt wurden, hält er sein Vehikel an.

Er taste sich in die Bibliothek. Irgendwie erinnert er sich, dass die Verse in einem grossen braunen Lederband standen...

Vor einem Antiquariat bleibt er stehen und wühlt in billigen Büchern.

Und eines Abends, als Melf zum Abendessen geht, steht eine - eine Nebenfigur names Penderdoone - oben im Treppenhaus.

...das ist ja alles Wahnsinn! Unmöglicher Unsinn, wenn nicht gar grauenhafter Mist! Wie ist  es nur möglich, dass er Derartiges geschrieben hat?

Seine Erwartung bestätigt sich: ein Mittelding zwischen einem Tafelaufsatz und einem Kronleuchter kommt zum Vorschein.

Im Schreckensbann der blauen Stunde vor Morgengrauen sitzt er hilflos auf dem Bettrand und wünscht, er wäre ein anderer oder tot.

Man spielt eine Tragödie, "Die toten Mündel" von Christopher Prawne,...

Der letzte Satz ist geschrieben, die Romanwelt um eine Harfe ohne Saiten bereichert.

Dann steht er auf, vergisst aber sogleich, wozu er aufgestanden ist, und setzt sich wieder auf den nächsten Sessel....

...und macht sich mit unsäglichem Missvergnügen an die endgültige Durchsicht.


Er sammelt Courage für die letzte und entsetzlichste Phase: die Reinschrift,

 Melf hat beschlossen, in die Stadt zu fahren, um das Manuskript eigenhändig abzuliefern.

Im vierzehnten Geschäft stöbert der Cousin den gewünschten Armleuchter auf, während Melf verständnislos auf eine ausgestopfte Riesendrachselotter unter einem Glassturz blickt.

 Da er nun schon in der Stadt ist, lässt er sich dazu überreden, ein literarisches Diner in "Le Trottoir Imbécile" durch seine Gegenwart zu bereichern.

Denn jetzt kommen die Fahnen, und es beginnt alles - oder manches - noch einmal von vorn.

 Der Verlag hat Melf den Entwurf des Schutzumschlags geschickt.

Die Freiexemplare der Harfe sind mit der Post gekommen. Es sind sechs.

Er bleibt stehen, eigentlich mehr aus Gewohnheit. Ah, da steht ja auch seine Harfe...

Der Verlag hat die Rezensionen geschickt, ein stattliches Paket....vielmehr lässt er sie liegen und nimmt ein Buch zur Hand,...
 
Dieser Herr stellt ihn zur Rede: "Mein Herr, erklären Sie mir gefälligst, was Sie mit den letzten beiden Sätzen im sechsten Kapitel gemeint haben!"

 Melf steht im Abendlicht auf der Terasse seines Hauses.

Hier steht er denn, im Morgengrauen, unter abgelegten Takelagen und schreienden Möwen, frierend und harrt des Dampfers.