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Samstag, 16. April 2016

Ernst Kreidolf: Das Hundefest





Die Werke des Berner Künstlers Ernst Kreidolf (1863-1956) sind immer noch gegenwärtig; man denke nur an die Bilderbücher wie Alpenblumenmärchen, Die Wiesenzwerge, Ein Wintermärchen, Lenzgesind usw. Das hier vorgestellte Buch tanzt ein wenig aus der Reihe, insofern das Hauptgewicht bei den Hunden liegt.

Hört die Glocke schallen
Und die Böller knallen,
Alles heut vergesst,
Denn es gibt ein Fest!

Schon tost die Meute durch die Gassen,
Es schreit und brüllt und bellt und stürmt.
Ein Hundetross von allen Rassen,
Zu hohen Säulen aufgetürmt,...

Mit kühnem Sprunge
Hat schon der Spitz
Und hohem Schwunge
Erreicht den Sitz.

Auf der Wiese steht das Karussell,
Knirrt und knarrt und dreht sich schnell,
Ohne Müh' kommt jeder von der Stell
Leicht im Takt zu fröhlichem Gebell.

In die Wellen, in den Strudel
Springen Lux und Fox und Spitz und Pudel,
Sich den Schweiss und Staub vom Fell zu wischen,
Sich an Leib und Seele zu erfrischen.

Schnabulieren, schnabulieren
Will der Hund.
Tut sich gar nicht zieren,
Dieser Leckermund.

Wollt ihr gern ein Liedchen hören?
Lasst euch nur das Fest nicht stören!
Wollen euch ein Ständchen bringen,
Bringen singen maudi maudi mau!

O ihr Kätzchen,
Schmeichelfrätzchen!
Mit den weichen, weichen Samettätzchen,
Dank euch für das schöne Lied,
Das durch Mark und Bein uns zieht.
Wau, wau wau!

Pudel, willst du tanzen?
Schwing dein Bein heraus,
Gib mir deine raue Hand,
Fort im Saus und Braus!

 Im Morgengrauen ist Kehraus,
Am Horizont schwebt noch der Mond, der blasse,
Die Ballgesellschaft langsam strebt nach Haus
In diese und in jene Gasse.

 Wälzen im Schnee,
Winter, juchhe!
Wo ich geh und wo ich steh,
Nichts als Schnee und Schnee!

Und was wird dereinst geschehen,
Wenn die Hündlein sind gestorben?
Kommen sie in einen Himmel,
all die guten, all die braven,
und die bösen in die Hölle.
Wo sie dulden harte Strafen,
Jeder wie er sich's erworben,
Durch Verdienste, durch Vergehen?

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