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Donnerstag, 24. Dezember 2015

Roberto Innocenti: Illustrationen für E.T.H. Hoffmanns Nussknacker und Mäusekönig



 Schutzumschlag Vorderseite

 Schutzumschlag Rückseite

Die Erstausgabe Die Serapionsbrüder Gesammelte Erzählungen und Märchen von E.T.A. Hoffmann erschien 1819-21. Sie enthielt das Märchen Nussknacker und Mäusekönig. Eine spätere Gesamtausgabe von 1844/45 wurde von Theodor Hosemann illustriert.
1996 wurde das Märchen von Roberto Innocenti wunderschön mit Illustrationen versehen. Die englische Ausgabe lief unter dem Titel Nutcracker.

Frontispiz


Der Weihnachtsabend


Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Medizinalrats Stahlbaum den ganzen Tag über durchaus nicht in die Mittelstube hinein, viel weniger in das anstossende Prunkzimmer.
In einem Winkel des Hinterstübchens zusammengekauert, sassen Fritz und Marie, die tiefe Abenddämmerung war eingebrochen und es wurde ihnen rechrt schaurig zumute, als man, wie es gewöhnlich an dem Tage geschah, kein Licht hereinbrachte.


 Der Schützling
 

Marie nahm ihn (den Nussknacker) sogleich auf den Arm...

Wunderdinge

Noch immer hatte sie den kranken Nussknacker eingewickelt in ihr Taschentuch auf dem Arm getragen. Jetzt legte sie ihn behutsam auf den Tisch, wickelte leise, leise das Tuch ab und sah nach den Wunden.




...und Marie wurde gewahr, dass überall Mäuse hervorguckten und sich hervorarbeiteten. Bald ging es trott - trott, hopp hopp in der Stube umher...

Sowie Nussknacker herabspringt, geht auch das Quicken und Piepen wieder los. Ach, unter dem grossen  Tische halten ja die fatalen Rotten unzähliger Mäuse und über alle ragt die abscheuliche Maus mit den sieben Köpfen hervor!

Die Schlacht




"Schlagt den Generalmarsch, getreuer Vasalle Tambour!" schrie Nussknacker sehr laut, und sogleich fing der Tambour an, auf die künstlichste Weise zu wirbeln, dass die Fenster des Glasschranks zitterten und dröhnten. Nun krackte  und klapperte es drinnen und Marie wurde gewahr, dass die Deckel sämtlicher Schachteln worin Fritzens Armee einquartiert war mit Gewalt auf- und die Soldaten heraus und herab ins unterste Fach sprangen, dort sich aber in blanken Rotten sammelten.

Die Krankheit


Der Chirurgus Wendelstein winkte der Mutter mit den Augen und diese sprach sehr sanft zu Marien: Lass es nur gut sein, mein liebes Kind! Beruhige dich, die Mäuse sind alle fort und Nussknackerchen steht gesund und lustig im Glasschrank."

Das Märchen von der harten Nuss

Jede dieser sechs Wärterinnen musste einen Kater auf den Schoss nehmen, und ihn die ganze Nacht streicheln, dass er immerfort zu spinnen genötigt wurde.

...schien der König etwas zu sich selbst zu kommen, er stammelte kaum hörbar die Worte: Zu wenig Speck. Da warf sich die Königin trostlos ihm zu Füssen und schluchste: O mein armer unglücklicher königlicher Gemahl!...Ach Frau Mauserinks mit ihren sieben Söhnen, Gevattern und Muhmen hat den Speck aufgefressen und...Damit fiel die Königin rücklings über in Ohnmacht.

...aber alle ihre Warnungen, alle ihre Vorstellungen halfen nichts, von dem süssen Geruch des gebratenen Specks verlockt, gingen alle sieben Söhne und viele, viele Gevattern und Muhmen der Frau Mauserinks in Drosselmeiers Maschine hinein, und wurden, als sie eben den Speck wegnaschen wollten, durch ein plötzlich vorfallendes Gitter gefangen, dann aber in der Küche selbst schmachvol hingerichtet.

Ganz besonders überfiel in diese Sehnsucht, als er gerade einmal mit seinem Freunde mitten in einem grossen Walde in Asien ein Pfeifchen Knaster rauchte...


Kaum waren sie dort angekommen, so lief Drosselmeier zu seinem Vetter, dem Puppendrechsler, Lackierer und Vergolder Christopf Zacharias Drosselmeier, der er viele Jahre nicht mehr gesehen.

Nachdem der junge Drosselmeier den König und die Königin, dann aber die Prinzessin Pirlipat, sehr höflich gegrüsst, empfing er aus den Händen des Oberzeremonienmeisters die Nuss Krakatuk, nahm sie ohne weiteres zwischen die Zähne, zog stark den Zopf an, und krak, krak zerbröckelte die Schale in viele Stücke.

Die Prinzessin verschluckte alsbald den Kern und o Wunder! verschwunden war die Missgestalt, und statt ihrer stand ein engelschönes Frauenbild da....O Missgeschick! Urplötzlich war der Jüngling ebenso missgestaltet, als es vorher Prinzessin Pirlipat gewesen.


Onkel und Neffe

Seltsam lächelnd nahm aber Pate Drosselmeier die kleine Marie auf den Schoss....

Der Sieg

...als sie sah, wie der Mausekönig sich durch ein Loch der Mauer hervorarbeitete, und endlich mit funkelnden Augen und Kronen im Zimmer herum, dann aber mit einem gewaltigen Satz auf den kleinen Tisch, der dicht neben Mariens Bett stand, heraufsprang.

    Marie erkannte die Stimme des jungen Drosselmeier, warf ihr Röckchen über, und öffnete flugs die Türe. Nussknackerlein stand draussen, das blutige Schwert in der rechten, ein Wachslichtchen in der linken Hand.

Das Puppenreich

Ich glaube, keins von euch, ihr Kinder, hätte auch nur einen Augenblick angestanden, dem ehrlichen gutmütigen Nussknacker, der nie Böse im Sinn haben konnte, zu folgen.

Die Hauptstadt


"O beste Demoiselle Stahlbaum", erwiderte Nussknacker. "Das ist nichts Besonderes, Konfektburg ist eine volkreiche lustige Stadt, da geht's alle Tage so her, kommen Sie aber nur gefälligst weiter."

Beschluss

Marie hob den Jüngling auf, und sprach leise: "Lieber Herr Drosselmeier! Sie sind ein sanftmütiger guter Mensch, und da Sie dazu noch ein anmutiges Land mit sehr hübschen lustigen Leuten regieren, so nehme ich Sie zum Bräutigam an!"










Mittwoch, 8. April 2015

Carlo Collodi: Pinocchios Abenteuer illustriert von Roberto Innocenti Part 2

Das schöne Mädchen mit dem blauen Haar lässt den hölzernen Jungen vom Baum herunterholen, legt ihn ins Bett und ruft drei Ärzte herbei, um zu erfahren, ob er tot oder lebendig sei.


Und alsbald kamen die Ärzte, einer nach dem anderen: das heisst, es erschienen ein Rabe, ein Käuzchen und eine Sprechende Grille.

In diesem Augenblick ging die Zimmertür auf, und vier Hasen, schwarz wie Tinte, traten ein und trugen auf ihren Schultern eine kleine Totenbahre. "Was wollt ihr von mir?" rief Pinocchio und richtete sich völlig verängstigt im Bett auf.

Er betrat das Feld und ging schnurstracks auf das kleine Loch zu, in dem er seine Goldmünzen vergraben hatte aber nichts...und er grub und grub und grub und machte ein so tiefes Loch, dass man einen ganzen Strohballen hätte hineintun können. Aber die Goldmünzen waren nicht mehr da.

Der Richter hörte ihm sehr wohlwollend zu, nahm lebhaftesten Anteil an der Schilderung, zeigte Rührung und Bewegung, und als der hölzerne Junge nichts mehr zu sagen hatte, streckte er die Hand aus und läutete mit der Glocke. Auf diese Klingelzeichen hin erschienen zwei als Polizisten gekleidete Fleischerhunde...."Dieser arme Teufel wurde um vier Goldstücke beraubt: ergreift ihn deshalb und werft ihn sofort ins Gefängnis."

Aber er hatte sein Bein noch nicht richtig gehoben, da schnellte plötzlich die Schlange wie eine Sprungfeder hoch, und der hölzerne Junge der vor Entsetzen zurückwich, stolperte und fiel zu Boden. Und er stürzte so unglücklich, dass sein Kopf im Strassenschlamm steckenblieb und seine Beine kerzengerade nach oben standen.

"Wer Trauben klaut, stiehlt auch Hühner. Ich will dir eine Lehre erteilen, die du nicht so schnell vergisst!"
(Diese Bild fehlt in der deutschen Ausgabe)

An der Tenne vor seinem Haus angekommen, warf er Pinocchio zu Boden, setzte ihm einen Fuss auf den Kragen und sagte: "Es ist schon spät, und ich will ins Bett gehen. Unsere Abrechnung verschieben wir auf morgen. Da mir heute der Hund, der nachts das Haus hütete, gestorben ist, sollst du seinen Posten einnehmen."

Da überkam ihn eine traurige Vorahnung, und er lief, was seine Beine hergaben. In wenigen Minuten war er auf der Wiese, auf der einmal das kleine weisse Haus gestanden hatte. Aber das kleine weisse Haus war nicht mehr da. An seiner Stelle stand ein kleiner Marmorstein, auf dem in Druckschrift folgende traurige Worte zu lesen waren. HIER RUHT DAS MÄDCHEN MIT DEM BLAUEN HAAR/GESTORBEN AUS KUMMER/WEIL ES VERLASSEN WURDE/VON SEINEM KLEINEN BRUDER PINOCCHIO.

"Was ist denn passiert?" fragte Pinocchio ein altes Mütterchen. "Ein armer Vater, der seinen kleinen Sohn verloren hat, ist auf den Gedanken gekommen, ein Boot zu besteigen, um ihn jenseits des Meeres zu suchen, aber heute ist das Meer so wild und das Boot droht gleich zu versinken."


Da hörten sie einen Schrei der Verzweiflung. Sie drehten sich um und sahen, wie ein Junge sich von einer  hohen Felsenklippe ins Meer stürzte und dabei rief: "Ich will meinen Vater retten!"

Da breitete der hölzerne Junge seine Kleider zum Trocknen in der Sonne aus und hielt nach allen Seiten Ausschau, ob er nicht vielleicht auf der rieseigen Wasserfläche ein kleines Boot mit einem ganz kleinen Mann darin ausmachen könnte. (das Bild fehlt in der deutschen Ausgabe)

Nach einer halben Stunde Weges kam er in einem Dorf an, das man das Dorf der fleissigen Bienen nannte. Die Strassen wimmelten nur so von Leuten, die geschäftig hin und her eilten.
(das Bild fehlt in der deutschen Ausgabe)

"Gute Frau, dürfte ich einen Schluck Wasser aus Eurem Krug drinken?", fragte Pinocchio, der vor Durst brannte.

"Ab morgen", sagte die Fee, "wirst du zur Schule gehen."
(In der deutschen Ausgabe ist nur ein Ausschnitt des Bildes vorhanden, dafür wurde das ganze Bild für den Schutzumschlag verwendet. Das hier gezeigte Bild ist vollständig)



"Dem ist nicht schlecht!", sagte einer der Polizisten, als er sich bückte und Egenio aus der Nähe betrachtete...
(Bild fehlt in der deutschen Ausgabe)

Dann wandten sie sich Pinocchio zu; sie nahmen ihn ihre Mitte und schüchterten ihn mit militärischem Befehlston ein: "Vorwärts! Und zwar etwas flott! Sonst kannst du was erleben!"

Möchtest du in der Pfanne  gebraten werden, oder ziehst du es vor, im Tiegel mit einer Tomatensauce gekocht zu werden?

Nach einer halben Stunde schliesslich öffnete sich ein Fenster im obersten Stockwerk, und Pinocchio sah, wie eine grosse Schnecke mit einem Lichtchen auf dem Kopf am Fenster erschien. Sie sagte: "Wer klopft da noch so spät?"



"Komm mit uns, wir werden lustig sein", riefen vier Stimmen aus dem Wageninnern.

Dieses Land glich keinem andern auf dieser Welt...Auf den Strassen eine Ausgelassenheit, ein Lärmen und ein Kreischen...(Bild fehlt in der deutschen Ausgabe)

Er bemerkte zu seinem grössten Entsetzen, dass seine Ohren über Nacht um mehr als eine Handbreite gewachsen waren...

Das  berühmte Eselchen Pinocchio tritt zum ersten Mal auf...

jedenfalls führte der Käufer, nachdem er zwanzig Groschen bezahlt hatte, das Eselchen ans Ufer des Meeres, befestigte einen grossen Stein an seinem Hals, knüpfte an eines seiner Beine ein Seil, das er in der Hand behielt, und gab ihm plötzlich einen Stoss und warf es ins Wasser.

Dieses Meeresungeheuer war kein geringerer als der Riesenhaifisch, von dem in dieser Geschichte schon mehr als einmal die Rede war......Das Ungeheuer hatte ihn erreicht: es holte Luft und schlürfte den armen Holzjungen ein... (Dieses Bild fehlt in der deutschen Ausgabe)

...machte Pinocchio ein Schritt nach dem andern dem winzigen Lichtlein entgegen, das er weit in der Ferne schimmern sah....- und was entdeckte er dort? ...er entdeckte einen kleinen gedeckten Tisch, auf dem eine Kerze  brannte, die in einer grünen  Kristallflasche steckte; und am Tischchen steckte sass ein kleiner alter Mann, der so weiss war wie Schnee...
"Meine Augen trügen mich also nicht?" sagte der alte Mann und wischte sich die Augen "Du bist wirklich mein lieber Pinocchio?"


 "Oh, armer Docht!" sagte Pinocchio leise.