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Montag, 17. Februar 2025

Johann Wolfgang Goethe: Reineke Fuchs mit Illustrationen von Allart van Everdingen, 2. Teil

 Fünfter Gesang


 Da fand ich köstliche Sachen,
  Feinen Silbers genug und roten Goldes! Wahrhaftig,
  Auch der älteste hier hat nie so vieles gesehen.
  Und ich machte mich dran mit meinem Weibe: wir trugen,
  Schleppten bei Tag und bei Nacht; uns fehlten Karren und Wagen;
  Viele Mühe kostet' es uns und manche Beschwernis.
  Treulich hielt Frau Ermelyn aus; so hatten wir endlich
  Die Kleinode hinweg zu einer Stätte getragen,
  Die uns gelegener schien. Indessen hielt sich mein Vater
  Täglich mit jenen zusammen, die unsern König verrieten.
  Was sie beschlossen, das werdet Ihr hören und werdet erschrecken.



 Endlich kam der Sommer ins Land; zu seinen Gesellen
  Kehrte mein Vater zurück. Da hatt er von Sorgen und Nöten
  Und von Angst zu erzählen, besonders, wie er beinahe
  Vor den hohen Burgen in Sachsen sein Leben verloren,
  Wo ihn Jäger mit Pferden und Hunden alltäglich verfolgten,
  Daß er knapp und mit Not mit heilem Pelze davonkam.



  König und Königin hatten indes, den Schatz zu gewinnen,
  Große Begierde gefühlt; sie traten seitwärts und riefen
  Reineken, ihn besonders zu sprechen, und fragten behende:
  Saget an, wo habt Ihr den Schatz? Wir möchten es wissen.
  Reineke ließ sich dagegen vernehmen: Was könnt es mir helfen,
  Zeigt ich die herrlichen Güter dem Könige, der mich verurteilt?
  Glaubet er meinen Feinden doch mehr, den Dieben und Mördern,
  Die Euch mit Lügen beschweren, mein Leben mir abzugewinnen.

  Nein, versetzte die Königin: nein! so soll es nicht werden!
  Leben läßt Euch mein Herr, und das Vergangne vergißt er.
  Er bezwingt sich und zürnet nicht mehr. Doch möget Ihr künftig
  Klüger handeln und treu und gewärtig dem Könige bleiben.



Sechster Gesang


 So gelangte Reineke wieder zur Gnade des Königs.
  Und es trat der König hervor auf erhabene Stätte,
  Sprach vom Steine herab und hieß die sämtlichen Tiere
  Stille schweigen; sie sollten ins Gras nach Stand und Geburt sich
  Niederlassen. Und Reineke stand an der Königin Seite;
  Aber der König begann mit großem Bedachte zu sprechen:


Aber der König begann mit großem Bedachte zu sprechen:

  Schweiget und höret mich an, zusammen Vögel und Tiere,
  Arm' und Reiche, höret mich an, ihr Großen und Kleinen,
  Meine Baronen und meine Genossen des Hofes und Hauses!
  Reineke steht hier in meiner Gewalt; man dachte vor kurzem,
  Ihn zu hängen, doch hat er bei Hofe so manches Geheimnis
  Dargetan, daß ich ihm glaube und wohlbedächtlich die Huld ihm
  Wieder schenke. So hat auch die Königin, meine Gemahlin,
  Sehr gebeten für ihn, so daß ich ihm günstig geworden,
  Mich ihm völlig versöhnet und Leib und Leben und Güter
  Frei ihm gegeben.



  An den vorderen Füßen verlor Herr Isegrim also
  Seine Schuhe bis an die Knorren; desgleichen verschonte
  Man Frau Gieremund nicht, sie mußte die hintersten lassen.

  So verloren sie beide die Haut und Klauen der Füße,
  Lagen erbärmlich mit Braunen zusammen und dachten zu sterben;
  Aber der Heuchler hatte die Schuh und das Ränzel gewonnen,
  Trat herzu und spottete noch besonders der Wölfin:
  Liebe, Gute! sagt' er zu ihr: da sehet, wie zierlich
  Eure Schuhe mir stehn, ich hoffe, sie sollen auch dauern.



 Und es hatte der König den Widder zu seinem Kaplane;
  Alle geistlichen Dinge besorgt er, es braucht ihn der König
  Auch zum Schreiber, man nennt ihn Bellyn. Da ließ er ihn rufen,
  Sagte: Leset sogleich mir etliche heilige Worte
  Über Reineken hier, ihn auf die Reise zu segnen,
  Die er vorhat; er gehet nach Rom und über das Wasser.



 Beide gingen mit ihm zu seiner Wohnung und sahen
  Malepartus, die Burg, und Reineke sagte zum Widder:
  Bleibet hieraußen, Bellyn, und laßt die Gräser und Kräuter
  Nach Belieben Euch schmecken; es bringen diese Gebirge
  Manche Gewächse hervor, gesund und guten Geschmackes.
  Lampen nehm ich mit mir; doch bittet ihn, daß er mein Weib mir
  Trösten möge, die schon sich betrübt; und wird sie vernehmen,
  Daß ich nach Rom als Pilger verreise, so wird sie verzweifeln.



 Und er sagte, wie er herauskam: Hänget das Ränzel
  Nur um den Hals und laßt Euch, mein Neffe, nicht etwa gelüsten,
  In die Briefe zu sehen; es wäre schädliche Neugier:
  Denn ich habe sie wohl verwahrt, so müßt Ihr sie lassen.
  Selbst das Ränzel öffnet mir nicht! Ich habe den Knoten
  Künstlich geknüpft, ich pflege das so in wichtigen Dingen
  Zwischen dem König und mir; und findet der König die Riemen
  So verschlungen, wie er gewohnt ist, so werdet Ihr Gnade
  Und Geschenke verdienen als zuverlässiger Bote.



  Als nun Bokert den Knoten mit Hinze, seinem Gesellen,
  Aufgelöset, zog er das Haupt des ermordeten Hasen
  Mit Erstaunen hervor und rief. Das heiß ich mir Briefe!
  Seltsam genug! Wer hat sie geschrieben? Wer kann es erklären?
  Dies ist Lampens Kopf, es wird ihn niemand verkennen.

  Und es erschraken König und Königin. Aber der König
  Senkte sein Haupt und sprach: O Reineke! hätt ich dich wieder!



 Und es eilte Lupardus, bis er die beiden Gebundnen,
  Braun und Isegrim, fand. Sie wurden gelöset; da sprach er:
  Guten Trost vernehmet von mir! Ich bringe des Königs
  Festen Frieden und freies Geleit. Versteht mich, ihr Herren:
  Hat der König euch übels getan, so ist es ihm selber
  Leid, er läßt es euch sagen und wünscht euch beide zufrieden;
  Und zur Sühne sollt ihr Bellyn mit seinem Geschlechte,
  Ja, mit allen Verwandten auf ewige Zeiten empfahen.


Siebenter Gesang



 Und nun sah man den Hof gar herrlich bestellt und bereitet,
  Manche Ritter kamen dahin; den sämtlichen Tieren
  Folgten unzählige Vögel, und alle zusammen verehrten
  Braun und Isegrim hoch, die ihrer Leiden vergaßen.
  Da ergötzte sich festlich die beste Gesellschaft, die jemals
  Nur beisammen gewesen; Trompeten und Pauken erklangen,
  Und den Hoftanz führte man auf mit guten Manieren.
  Überflüssig war alles bereitet, was jeder begehrte.
  Boten auf Boten gingen ins Land und luden die Gäste,
  Vögel und Tiere machten sich auf, sie kamen zu Paaren,
  Reiseten hin bei Tag und bei Nacht und eilten zu kommen.



  Und er endigte kaum, da kam die gesprächige Krähe,
  Merkenau, sagte: Würdiger Herr und gnädiger König!
  Traurige Märe bring ich vor Euch, ich bin nicht imstande,
  Viel zu reden vor Jammer und Angst, ich fürchte, das bricht mir
  Noch das Herz: so jämmerlich Ding begegnet' mir heute
  Scharfenebbe, mein Weib, und ich, wir gingen zusammen
  Heute früh, und Reineke lag für tot auf der Heide,
  Beide Augen im Kopfe verkehrt, es hing ihm die Zunge
  Weit zum offenen Munde heraus. Da fing ich vor Schrecken
  Laut an zu schrein. Er regte sich nicht, ich schrie und beklagt ihn,
  Rief. O weh mir! und Ach! und wiederholte die Klage:
  Ach! er ist tot! wie dauert er mich! wie bin ich bekümmert!



 Isegrimen und Braunen behagte die Rede des Königs.
  Werden wir doch am Ende gerochen! so dachten sie beide.
  Aber sie trauten sich nicht zu reden, sie sahen, der König
  War verstörten Gemüts und zornig über die Maßen.
  Und die Königin sagte zuletzt: Ihr solltet so heftig,
  Gnädiger Herr, nicht zürnen, so leicht nicht schwören; es leidet
  Euer Ansehn dadurch und Eurer Worte Bedeutung.



  So erreicht' er das Schloß, und Reineken fand er im Freien
  Sitzen. Er hatte sich erst zwei junge Tauben gefangen;
  Aus dem Neste wagten sie sich, den Flug zu versuchen,
  Aber die Federn waren zu kurz; sie fielen zu Boden,
  Nicht imstande, sich wieder zu heben, und Reineke griff sie,
  Denn oft ging er umher, zu jagen. Da sah er von weiten
  Grimbart kommen und wartete sein; er grüßt' ihn und sagte:
  Seid mir, Neffe, willkommen vor allen meines Geschlechtes!
  Warum lauft Ihr so sehr! Ihr keichet! bringt Ihr was Neues?

Achter Gesang


  Und er ging und fragte die Frau: Wie teuer das Fohlen?
  Macht es billig! Sie sagte darauf: Ihr dürft nur die Summe
  Lesen, sie stehet geschrieben an meinem hinteren Fuße.
  Laßt mich sehen! versetzte der Wolf. Sie sagte: Das tu ich!
  Und sie hub den Fuß empor aus dem Grase, der war erst
  Mit sechs Nägeln beschlagen; sie schlug gar richtig und fehlte
  Nicht ein Härchen, sie traf ihm den Kopf, er stürzte zur Erden,
  Lag betäubt wie tot. Sie aber eilte von dannen,
  Was sie konnte. So lag er verwundet, es dauerte lange.

Neunter Gesang


 Mächtiger König, edelster Fürst! so ließ er sich hören:
  Meint Ihr, ich habe den Tod verdient, so habt Ihr die Sache
  Nicht von der rechten Seite betrachtet; drum bitt ich, Ihr wollet
  Erst mich hören. Ich habe ja sonst Euch nützlich geraten,
  In der Not bin ich bei Euch geblieben, wenn etliche wichen,
  Die sich zwischen uns beide nun stellen zu meinem Verderben
  Und die Gelegenheit nützen, wenn ich entfernt bin. Ihr möget,
  Edler König, hab ich gesprochen, die Sache dann schlichten;
  Werd ich schuldig befunden, so muß ich es freilich ertragen.



 Denn vorgestern am Morgen in aller Frühe begegnet'
  Mir das Kaninchen und grüßte mich schön; ich hatte soeben
  Vor mein Schloß mich gestellt und las die Gebete des Morgens.
  Und er zeigte mir an, er gehe nach Hofe; da sagt ich:
  Gott begleit Euch! Er klagte darauf. Wie hungrig und müde
  Bin ich geworden! Da fragt ich ihn freundlich: Begehrt Ihr zu essen?

Zehnter Gesang


  O mein König! sagte darauf der listige Redner:
  Laßt mich, edelster Fürst, vor meinen Freunden erzählen,
  Was Euch alles von mir an köstlichen Dingen bestimmt war.
  Habt Ihr sie gleich nicht erhalten, so war mein Wille doch löblich.
  Sage nur an, versetzte der König: und kürze die Worte.



 Ich will die Geschichten
  Kürzlich erzählen. Die erste war von dem neidischen Pferde:
  Um die Wette gedacht es mit einem Hirsche zu laufen,
  Aber hinter ihm blieb es zurück, das schmerzte gewaltig;
  Und es eilte darauf, mit einem Hirten zu reden,...



Das will ich wohl wagen!
  Sagte der Hirt und setzte sich auf, sie eilten von dannen.
  Und sie erblickten den Hirsch in kurzem, folgten behende
  Seiner Spur und jagten ihm nach. Er hatte den Vorsprung,...



  Als er so sprach, kam eben sein Herr die Straße gegangen;
  Da erhub der Esel den Schwanz und bäumte sich springend
  Über den Herren und schrie und sang und plärrte gewaltig,
  Leckt' ihm den Bart und wollte nach Art und Weise des Hundes
  An die Wange sich schmiegen und stieß ihm einige Beulen.
  Ängstlich entsprang ihm der Herr und rief. O! fangt mir den Esel,
  Schlagt ihn tot! Es kamen die Knechte, da regnet' es Prügel,
  Nach dem Stalle trieb man ihn fort: da blieb er ein Esel.



Und wie beide heilig geschworen, in allen Gefahren
  Tapfer zusammenzuhalten und jede Beute zu teilen.
  Als sie nun vorwärtszogen, bemerkten sie Jäger und Hunde
  Nicht gar ferne vom Wege; da sagte Hinze, der Kater:
  Guter Rat scheint teuer zu werden! Mein Alter versetzte:
  Wunderlich sieht es wohl aus, doch hab ich mit herrlichem Rate
  Meinen Sack noch gefüllt, und wir gedenken des Eides,
  Halten wacker zusammen, das bleibt vor allem das erste.
  Hinze sagte dagegen: Es gehe, wie es auch wolle,
  Bleibt mir doch ein Mittel bekannt, das denk ich zu brauchen.
  Und so sprang er behend auf einen Baum, sich zu retten
  Vor der Hunde Gewalt, und so verließ er den Oheim.



 Und es kam ihm ein spitziges Bein die Quer in den Kragen;
  Ängstlich stellt' er sich an, es war ihm übel geraten.
  Boten auf Boten sendet' er fort, die ärzte zu rufen;
  Niemand vermochte zu helfen, wiewohl er große Belohnung
  Allen geboten. Da meldete sich am Ende der Kranich,
  Mit dem roten Barett auf dem Haupt. Ihm flehte der Kranke:
  Doktor, helft mir geschwind von diesen Nöten! ich geb Euch,
  Bringt Ihr den Knochen heraus, soviel Ihr immer begehret.

  Also glaubte der Kranich den Worten und steckte den Schnabel
  Mit dem Haupt in den Rachen des Wolfes und holte den Knochen.


Elfter Gesang



 So hat er mir immer,
  Meinem Weibe noch mehr, empfindliche Schande bereitet.
  So bewog er sie einst, in einem Teiche zu waten
  Durch den Morast und hatte versprochen, sie solle des Tages
  Viele Fische gewinnen; sie habe den Schwanz nur ins Wasser
  Einzutauchen und hängen zu lassen: es würden die Fische
  Fest sich beißen, sie könne selbviert nicht alle verzehren.
  Watend kam sie darauf und schwimmend gegen das Ende,
  Gegen den Zapfen; da hatte das Wasser sich tiefer gesammelt,
  Und er hieß sie den Schwanz ins Wasser hängen. Die Kälte
  Gegen Abend war groß, und grimmig begann es zu frieren,
  Daß sie fast nicht länger sich hielt; so war auch in kurzem
  Ihr der Schwanz ins Eis gefroren, sie konnt ihn nicht regen,
  Glaubte, die Fische wären so schwer, es wäre gelungen.



 Denn zwei Eimer hingen daran, Ihr hattet in einen,
  Weiß ich, warum? Euch gesetzt und wart herniedergefahren;
  Nun vermochtet Ihr nicht, Euch selber wieder zu heben,
  Und Ihr klagtet gewaltig. Des Morgens kam ich zum Brunnen,
  Fragte: Wer bracht Euch herein? Ihr sagtet: Kommt Ihr doch eben,
  Liebe Gevatterin, recht! ich gönn Euch jeglichen Vorteil;
  Steigt in den Eimer da droben, so fahrt Ihr hernieder und esset
  Hier an Fischen Euch satt. Ich war zum Unglück gekommen,
  Denn ich glaubt es, Ihr schwurt noch dazu: Ihr hättet so viele
  Fische verzehrt, es schmerz Euch der Leib. Ich ließ mich betören,
  Dumm, wie ich war, und stieg in den Eimer; da ging er hernieder
  Und der andere wieder herauf, Ihr kamt mir entgegen.



 Frau Muhme! sagt ich zur Alten,
  Vettern hieß ich die Kinder und ließ es an Worten nicht fehlen.
  Spar Euch der gnädige Gott auf lange glückliche Zeiten!
  Sind das Eure Kinder? Fürwahr! ich sollte nicht fragen;
  Wie behagen sie mir! Hilf Himmel! wie sie so lustig,
  Wie sie so schön sind! Man nähme sie alle für Söhne des Königs.

Zwölfter Gesang



Isegrim zeigte sich wild und grimmig, reckte die Tatzen,
  Kam daher mit offenem Maul und gewaltigen Sprüngen.
  Reineke, leichter als er, entsprang dem stürmenden Gegner
  Und benetzte behende den rauhen Wedel mit seinem
  Ätzenden Wasser und schleift' ihn im Staube, mit Sand ihn zu füllen.
  Isegrim dachte, nun hab er ihn schon! da schlug ihm der Lose
  Über die Augen den Schwanz, und Hören und Sehen verging ihm.
  Nicht das erstemal übt' er die List, schon viele Geschöpfe
  Hatten die schädliche Kraft des ätzenden Wassers erfahren.




 Hochgeehrt ist Reineke nun! Zur Weisheit bekehre
  Bald sich jeder und meide das Böse, verehre die Tugend!
  Dieses ist der Sinn des Gesangs, in welchem der Dichter
  Fabel und Wahrheit gemischt, damit ihr das Böse vom Guten
  Sondern möget und schätzen die Weisheit, damit auch die Käufer
  Dieses Buchs vom Laufe der Welt sich täglich belehren.
  Denn so ist es beschaffen, so wird es bleiben, und also
  Endigt sich unser Gedicht von Reinekens Wesen und Taten.
  Uns verhelfe der Herr zur ewigen Herrlichkeit! Amen.





Freitag, 14. Februar 2025

Johann Wolfgang Goethe: Reineke Fuchs mit Illustrationen von Allart van Everdingen, 1. Teil

 Allart van Everdingen (* vor dem 18. Juni 1621 in Alkmaar; † vor dem 8. November 1675 in Amsterdam) war ein niederländischer MalerEverdingen lernte bei Roelant Savery in Utrecht und ging während der Jahre 1640 bis 1644 auf Reisen, die ihn nach Schweden und Norwegen führten. Dort entstand u. a. das Gemälde Waffenproduktion in Schweden mit der Kanonengießerei in Julitabroeck. Der Anblick der düsteren Wälder, der Wasserfälle, der Felsengebirge und der Meeresbrandung dieser Länder wurde prägend für seine Kunst.

Er kehrte nach Holland zurück, wo er sich 1645 in die Lukasgilde zu Haarlem aufnehmen ließ, behandelte er Motive aus Norwegen, die durch ihren meisterhaften Vortrag, die kräftige, ins Düstere gehende, bisweilen auch schwere Farbe und das kunstvoll verteilte Licht ausgezeichnet sind und mit den besten Schöpfungen Ruisdaels wetteifern.

Die hervorragendsten Gemälde von Everdingen besitzt die Gemäldegalerie Dresden, andere die Münchener Pinakothek, der Louvre in Paris und das Rijksmuseum in Amsterdam.

Hervorzuheben sind ebenfalls seine Bilder der holländischen Natur. Eine größere Erfindungskraft zeigt Everdingen in seinen Radierungen, von denen Drugulin (Leipz. 1873) einen Katalog herausgab; sie stellen Landschaften, Marinen und die Geschichte von Reineke Fuchs dar. (WIKIPEDIA)




Erster Gesang



Nobel, der König, versammelt den Hof; und seine Vasallen
Eilen gerufen herbei mit großem Gepränge; da kommen
Viele stolze Gesellen von allen Seiten und Enden,
Lütke, der Kranich, und Markart, der Häher, und alle die Besten.
Denn der König gedenkt mit allen seinen Baronen
Hof zu halten in Feier und Pracht; er läßt sie berufen
Alle miteinander, so gut die Großen als Kleinen.



Isegrim aber, der Wolf, begann die Klage; von allen
Seinen Vettern und Gönnern, von allen Freunden begleitet,
Trat er vor den König und sprach die gerichtlichen Worte:
Gnädigster König und Herr! vernehmet meine Beschwerden.
Edel seid Ihr und groß und ehrenvoll, jedem erzeigt Ihr
Recht und Gnade: so laßt Euch denn auch des Schadens erbarmen,
Den ich von Reineke Fuchs mit großer Schande gelitten.
Aber vor allen Dingen erbarmt Euch, daß er mein Weib so
Freventlich öfters verhöhnt und meine Kinder verletzt hat.



Ein Fuhrmann, er hatte Fische geladen,
Fuhr die Straße, Ihr spürtet ihn aus und hättet um alles
Gern von der Ware gegessen; doch fehlt' es Euch leider am Gelde.
Da beredetet Ihr den Oheim, er legte sich listig
Grade für tot in den Weg. Es war, beim Himmel, ein kühnes
Abenteuer! Doch merket, was ihm für Fische geworden.
Und der Fuhrmann kam und sah im Gleise den Oheim,
Hastig zog er sein Schwert, ihm eins zu versetzen; der Kluge
Rührt' und regte sich nicht, als wär er gestorben; der Fuhrmann
Wirft ihn auf seinen Karrn und freut sich des Balges im voraus.
Ja, das wagte mein Oheim für Isegrim; aber der Fuhrmann
Fuhr dahin, und Reineke warf von den Fischen herunter.
Isegrim kam von ferne geschlichen, verzehrte die Fische.
Reineken mochte nicht länger zu fahren belieben; er hub sich,
Sprang vom Karren und wünschte nun auch von der Beute zu speisen.
Aber Isegrim hatte sie alle verschlungen; er hatte
Über Not sich beladen, er wollte bersten. Die Gräten
Ließ er allein zurück und bot dem Freunde den Rest an.



Als nun Grimbart geendigt, erschien zu großem Erstaunen
Henning, der Hahn, mit seinem Geschlecht. Auf trauriger Bahre,
Ohne Hals und Kopf, ward eine Henne getragen,
Kratzefuß war es, die beste der eierlegenden Hennen.
Ach, es floß ihr Blut, und Reineke hatt es vergossen!
Jetzo sollt es der König erfahren. Als Henning, der wackre,
Vor dem König erschien, mit höchstbetrübter Gebärde,
Kamen mit ihm zwei Hähne, die gleichfalls trauerten. Kreyant
Hieß der eine, kein besserer Hahn war irgend zu finden
Zwischen Holland und Frankreich; der andere durft ihm zur Seite
Stehen, Kantart genannt, ein stracker, kühner Geselle;
Beide trugen ein brennendes Licht; sie waren die Brüder
Der ermordeten Frau. 



Aber nun höret mich an! es währte nicht lange, so kam er
Als ein Klausner und brachte mir Brief und Siegel. Ich kannt es:
Euer Siegel sah ich am Briefe; da fand ich geschrieben:
Daß Ihr festen Frieden so Tieren als Vögeln verkündigt.
Und er zeigte mir an: er sei ein Klausner geworden,
Habe strenge Gelübde getan, die Sünden zu büßen,
Deren Schuld er leider bekenne. Da habe nun keiner
Mehr vor ihm sich zu fürchten, er habe heilig gelobet,
Nimmermehr Fleisch zu genießen.


Und der König begann: Kommt näher, Grimbart, und sehet,
Also fastet der Klausner, und so beweist er die Buße!
Leb ich noch aber ein Jahr, so soll es ihn wahrlich gereuen!
Doch was helfen die Worte! Vernehmet, trauriger Henning:
Eurer Tochter ermangl es an nichts, was irgend den Toten
Nur zu Rechte geschieht. Ich lass ihr Vigilie singen,
Sie mit großer Ehre zur Erde bestatten; dann wollen
Wir mit diesen Herren des Mordes Strafe bedenken.


Zweiter Gesang



Herr Oheim, seid Ihr zu Hause?
Braun, der Bär, ist gekommen, des Königs gerichtlicher Bote.
Denn es hat der König geschworen, Ihr sollet bei Hofe
Vor Gericht Euch stellen, ich soll Euch holen, damit Ihr
Recht zu nehmen und Recht zu geben keinem verweigert,
Oder es soll Euch das Leben kosten; denn bleibt Ihr dahinten,
Ist mit Galgen und Rad Euch gedroht. Drum wählet das Beste,
Kommt und folget mir nach, sonst möcht es Euch übel bekommen.


Im Hofe
Lag ein eichener Stamm; er hatte, diesen zu trennen,
Schon zwei tüchtige Keile hineingetrieben, und oben,
Klaffte gespalten der Baum fast ellenweit. Reineke merkt' es,
Und er sagte: Mein Oheim, in diesem Baume befindet
Sich des Honigs mehr, als Ihr vermutet; nun stecket
Eure Schnauze hinein, so tief Ihr möget. Nur rat ich,
Nehmt nicht gierig zu viel, es möcht Euch übel bekommen.
Meint Ihr, sagte der Bär, ich sei ein Vielfraß? mitnichten!
Maß ist überall gut, bei allen Dingen. Und also
Ließ der Bär sich betören und steckte den Kopf in die Spalte
Bis an die Ohren hinein und auch die vordersten Füße.



Aber Rüsteviel kam, und als er den Bären erblickte,
Lief er, die Bauern zu rufen, die noch in der Schenke beisammen
Schmauseten. Kommt! so rief er: in meinem Hofe gefangen
Hat sich ein Bär, ich sage die Wahrheit. Sie folgten und liefen,
Jeder bewehrte sich eilig, so gut er konnte. Der eine
Nahm die Gabel zur Hand, und seinen Rechen der andre,
Und der dritte, der vierte, mit Spieß und Hacke bewaffnet,
Kamen gesprungen, der fünfte mit einem Pfahle gerüstet.
Ja, der Pfarrer und Küster, sie kamen mit ihrem Geräte.
Auch die Köchin des Pfaffen (sie hieß Frau Jutte, sie konnte
Grütze bereiten und kochen wie keine) blieb nicht dahinten,
Kam mit dem Rocken gelaufen, bei dem sie am Tage gesessen,
Dem unglücklichen Bären den Pelz zu waschen.



Und da kroch er ans Land am selbigen Ufer und keichte.
Kein bedrängteres Tier hat je die Sonne gesehen!
Und er dachte den Morgen nicht zu erleben, er glaubte
Plötzlich zu sterben und rief. O Reineke, falscher Verräter!
Loses Geschöpf!. Er dachte dabei der schlagenden Bauern,
Und er dachte des Baums und fluchte Reinekens Listen.


Endlich rief er ihn an: Herr Oheim, find ich Euch wieder?
Habt Ihr etwas vergessen bei Rüsteviel? sagt mir, ich lass ihm
Wissen, wo Ihr geblieben. Doch soll ich sagen, ich glaube,
Vieles Honig habt Ihr gewiß dem Manne gestohlen,
Oder habt Ihr ihn redlich bezahlt? wie ist es geschehen?
Ei! wie seid Ihr gemalt? das ist ein schmähliches Wesen!
War der Honig nicht guten Geschmacks; Zu selbigem Preise
Steht noch manches zu Kauf! Doch, Oheim, saget mir eilig,
Welchem Orden habt Ihr Euch wohl so kürzlich gewidmet,
Daß Ihr ein rotes Barett auf Eurem Haupte zu tragen
Anfangt.


Als der König den Bären in seinem Elend erblickte,
Rief er: Gnädiger Gott! Erkenn ich Braunen? Wie kommt er
So geschändet? Und Braun versetzte: Leider erbärmlich
Ist das Ungemach, das Ihr erblickt; so hat mich der Frevler
Reineke schändlich verraten! Da sprach der König entrüstet:
Rächen will ich gewiß ohn alle Gnade den Frevel.
Solch einen Herrn wie Braun, den sollte Reineke schänden?
Ja, bei meiner Ehre, bei meiner Krone! das schwör ich,
Alles soll Reineke büßen, was Braun zu Rechte begehret.
Halt ich mein Wort nicht, so trag ich kein Schwert mehr, ich will es geloben

Dritter Gesang



 Immer wandert' er fort nach Malepartus, da fand er
  Vor dem Hause Reineken sitzen, er grüßt' ihn und sagte:
  Gott, der reiche, der gute, bescher Euch glücklichen Abend!
  Euer Leben bedrohet der König, wofern Ihr Euch weigert,
  Mit nach Hofe zu kommen; und ferner läßt er Euch sagen:
  Stehet den Klägern zu Recht, sonst werdens die Eurigen büßen.



Hinze glaubt' ihm und folgte; sie kamen zur Scheune des Pfaffen,
  Zu der lehmernen Wand. Die hatte Reineke gestern
  Klug durchgraben und hatte durchs Loch dem schlafenden Pfaffen
  Seiner Hähne den besten entwendet. Das wollte Martinchen
  Rächen, des geistlichen Herrn geliebtes Söhnchen; er knüpfte
  Klug vor die öffnung den Strick mit einer Schlinge; so hofft' er
  Seinen Hahn zu rächen am wiederkehrenden Diebe.
  Reineke wußt und merkte sich das und sagte: Geliebter
  Neffe, kriechet hinein gerade zur öffnung; ich halte
  Wache davor, indessen Ihr mauset; Ihr werdet zu Haufen
  Sie im Dunkeln erhaschen. O höret, wie munter sie pfeifen!



Alle, groß und klein, ja selbst der Pater erhub sich,
  Warf ein Mäntelchen um; es lief mit doppelten Lichtern
  Seine Köchin voran, und eilig hatte Martinchen
  Einen Knüttel gefaßt und machte sich über den Kater,
  Traf ihm Haut und Haupt und schlug ihm grimmig ein Aug aus.
  Alle schlugen auf ihn; es kam mit zackiger Gabel
  Hastig der Pater herbei und glaubte den Räuber zu fällen.
  Hinze dachte zu sterben; da sprang er wütend entschlossen
  Zwischen die Schenkel des Pfaffen und biß und kratzte gefährlich,
  Schändete grimmig den Mann und rächte grausam das Auge.



 Und Grimbart versetzte:
  Einmal muß ich es wagen und hoff ihn dennoch zu bringen.
  So betrat er den Weg nach Malepartus, der Feste;
  Reineken fand er daselbst mit Weib und Kindern und sagte:
  Oheim Reineke, seid mir gegrüßt! Ihr seid ein gelehrter,
  Weiser, kluger Mann, wir müssen uns alle verwundern,
  Wie Ihr des Königs Ladung verachtet, ich sage, verspottet,
  Deucht Euch nicht, es wäre nun Zeit? Es mehren sich immer
  Klagen und böse Gerüchte von allen Seiten.



 Reineke sagte darnach: Frau Ermelyn, nehmet der Kinder
  (Ich empfehl es Euch) wahr, vor allen andern des jüngsten,
  Reinharts; es stehn ihm die Zähne so artig ums Mäulchen, ich hoff, er
  Wird der leibhaftige Vater; und hier ist Rossel, das Schelmchen,
  Der mir ebenso lieb ist. O! tut den Kindern zusammen
  Etwas zu gut, indes ich weg bin! Ich wills Euch gedenken,
  Kehr ich glücklich zurück und Ihr gehorchet den Worten.
  Also schied er von dannen mit Grimbart, seinem Begleiter,
  Ließ Frau Ermelyn dort mit beiden Söhnen und eilte;
  Unberaten ließ er sein Haus; das schmerzte die Füchsin.


 Das, meint' er,
  Wär ein Handwerk für ihn, und zog die Glocke. Das Läuten
  Freut' ihn so sehr! Ich band ihm darauf die vorderen Füße
  Mit dem Seile zusammen, er war es zufrieden und stand so,
  Zog und erlustigte sich und schien das Läuten zu lernen.
  Doch es sollt ihm die Kunst zu schlechter Ehre gedeihen,
  Denn er läutete zu wie toll und törig. Die Leute
  Liefen eilig bestürzt aus allen Straßen zusammen,
  Denn sie glaubten, es sei ein großes Unglück begegnet;
  Kamen und fanden ihn da, und eh er sich eben erklärte,
  Daß er den geistlichen Stand ergreifen wolle, so war er
  Von der dringenden Menge beinah zu Tode geschlagen.




 Und ein fetter Kapaun ward eben vor ihn getragen,
  Wohlgebraten; ich schnappte darnach und trug ihn von dannen.
  Hastig wollte der Pfaffe mir nach und lärmte, da stieß er
  Über den Haufen den Tisch mit Speisen und allem Getränke.
  Schlaget, werfet, fanget und stechet! so rief der ergrimmte
  Pater und fiel und kühlte den Zorn (er hatte die Pfütze
  Nicht gesehen) und lag. Und alle kamen und schrien:
  Schlagt! ich rannte davon und hinter mir alle zusammen,
  Die mir das Schlimmste gedachten. Am meisten lärmte der Pfaffe:
  Welch ein verwegener Dieb! Er nahm das Huhn mir vom Tische!



  Grimbart wußte sich schon in solchen Fällen zu nehmen,
  Brach ein Reischen am Wege, dann sprach er: Oheim, nun schlagt Euch
  Dreimal über den Rücken mit diesem Reischen und legt es,
  Wie ichs Euch zeige, zur Erde und springet dreimal darüber;
  Dann mit Sanftmut küsset das Reis und zeigt Euch gehorsam.
  Solche Buße leg ich Euch auf und spreche von allen
  Sünden und allen Strafen Euch los und ledig, vergeb Euch
  Alles im Namen des Herrn, soviel Ihr immer begangen.

  Und als Reineke nun die Buße willig vollendet,
  Sagte Grimbart: Lasset an guten Werken, mein Oheim,
  Eure Besserung spüren und leset Psalmen, besuchet
  Fleißig die Kirchen...


Der fromme Grimbart und jener
  Kamen durch schwärzliche fette Gebreite; sie sahen ein Kloster
  Rechter Hand des Weges. Es dienten geistliche Frauen,
  Spat und früh, dem Herren daselbst und nährten im Hofe
  Viele Hühner und Hähne, mit manchem schönen Kapaune,
  Welche nach Futter zuweilen sich außer der Mauer zerstreuten.
  Reineke pflegte sie oft zu besuchen. Da sagt' er zu Grimbart:
  Unser kürzester Weg geht an der Mauer vorüber;
  Aber er meinte die Hühner, wie sie im Freien spazierten.
  Seinen Beichtiger führt' er dahin, sie nahten den Hühnern;
  Da verdrehte der Schalk die gierigen Augen im Kopfe.
  Ja, vor allen gefiel ihm ein Hahn, der jung und gemästet
  Hinter den andern spazierte, den faßt' er treulich ins Auge,
  Hastig sprang er hinter ihm drein; es stoben die Federn.

Vierter Gesang


Ja, so trat er vor Nobel, den König, und stand im Palaste
 Mitten unter den Herren; er wußte sich ruhig zu stellen.

  Edler König, gnädiger Herr! begann er zu sprechen:
  Edel seid Ihr und groß, von Ehren und Würden der Erste;
  Darum bitt ich von Euch, mich heute rechtlich zu hören.
  Keinen treueren Diener hat Eure fürstliche Gnade
  Je gefunden als mich, das darf ich kühnlich behaupten.



Vor den König drängten sie sich mit heftigen Reden,
  Häuften Klagen auf Klagen, und alt und neue Geschichten
  Brachten sie vor. Man hatte noch nie an Einem Gerichtstag
  Vor des Königes Thron so viele Beschwerden gehöret.
  Reineke stand und wußte darauf gar künstlich zu dienen:
  Denn ergriff er das Wort, so floß die zierliche Rede
  Seiner Entschuldigung her, als wäre es lautere Wahrheit;
  Alles wußt er beiseite zu lehnen und alles zu stellen.



Wie nun nach Urteil und Recht gebunden Reineke dastand,
  Seine Feinde sich regten, zum Tod ihn eilend zu führen,
  Standen die Freunde betroffen und waren schmerzlich bekümmert,
  Martin, der Affe, mit Grimbart und vielen aus Reinekens Sippschaft.
  Ungern hörten sie an das Urteil und trauerten alle
  Mehr, als man dächte. Denn Reineke war der ersten Baronen
  Einer und stand nun entsetzt von allen Ehren und Würden
  Und zum schmählichen Tode verdammt. Wie mußte der Anblick
  Seine Verwandten empören! Sie nahmen alle zusammen
  Urlaub vom Könige, räumten den Hof, so viele sie waren.



 Hinze klettert und soll uns den Strick da oben befesten;
  Haltet ihn und stehet mir bei, ich rücke die Leiter,
  Wenig Minuten, so solls um diesen Schelmen getan sein!
  Braun versetzte: Stellt nur die Leiter, ich will ihn schon halten.


Ungeduldig befragte die Königin Reineken weiter:
  Lasset uns deutlich vernehmen, wie diese Sache beschaffen!
  Saget die Wahrheit, bedenkt das Gewissen, entladet die Seele!

  Reineke sagte darauf. Ich will Euch gerne berichten.
  Sterben muß ich nun wohl; es ist kein Mittel dagegen.
  Sollt ich meine Seele beladen am Ende des Lebens,
  Ewige Strafe verwirken, es wäre töricht gehandelt.
  Besser ist es, daß ich bekenne; und muß ich dann leider
  Meine lieben Verwandten und meine Freunde verklagen,
  Ach, was kann ich dafür! es drohen die Qualen der Hölle.



Und die Königin sprach: Mich jammert seine Beklemmung;
  Sehet ihn gnadenreich an, ich bitt Euch, mein Herr! und erwäget:
  Manches Unheil wenden wir ab nach seinem Bekenntnis.
  Laßt uns je eher je lieber den Grund der Geschichte vernehmen.
  Heißet jeglichen schweigen und laßt ihn öffentlich sprechen.

  Und der König gebot, da schwieg die ganze Versammlung.
  Aber Reineke sprach: Beliebt es Euch, gnädiger König,
  So vernehmet, was ich Euch sage. Geschieht auch mein Vortrag
  Ohne Brief und Papier, so soll er doch treu und genau sein;
  Ihr erfahrt die Verschwörung, und niemands denk ich zu schonen.

Fortsetzung folgt!