.

Posts mit dem Label Otto Ubbelohde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Otto Ubbelohde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 30. Juli 2016

Otto Ubbelohde Zeichnungen zu Träumereien an französischen Kaminen



Wie der Teufel ins Weihwasser fiel
"Zieh den Rock aus", herrschte die Grossmutter ihn an, "und leg' dich einstweilen ins Bett." Und der Teufel tat, wie ihm befohlen war und zog sich das blau und rot karierte Federbett so weit über die Ohren, dass unten die die schwarzen Fussspitzen herausguckten; denn er schämte sich gewaltig. Die Grossmutter  aber fasste den Rock mit zwei Fingern an seinem äussersten Zipfel wie die Köchin eine tote Maus am Schwanz.

Der verrostete Ritter
Da verliess der Ritter sein Schloss und ritt in alle Welt. Wo er Arme fand, schenkte er ihnen etwas, und wenn er in eine Kirche sah, ging er hinein und betete. Aber seine Frau fand er nicht. So war fast ein Jahr vergangen, da kam er auch in die Stadt, wo seine Frau am Kirchweg sass und bettelte.

Pechvogel und Glückskind
Sie hatten ihm die Hände auf den Rücken zusammengebunden, aber sein Gesicht strahlte, als wenn ihm in seinem Leben noch nie etwas Lieberes widerfahren wäre.

Die Alte-Weiber-Mühle
"Ich möchte wieder jung werden und mich ummahlen lassen", sagte sie zu einem Knechte, der, die Hände in der Hosentaschen, vor der Mühle auf der Bank sass, und aus seiner Pfeife Ringel in die blaue Luft bliess.

Die Traumbuche
Indem kam der Schäfer vom Felde zurück und trieb die Schafe durch die Dorfstrasse. Als er an der Krone vorbei kam und das Mädchen mit dem Handwerksburschen in eifrigen Gespräch in der Laube sitzen sah, blieb er einen Augenblick stehen und sagte: "Ja, ja, Euch wird er schon den hübschen Traum erzählen; mir will er nichts sagen!"

Der alte Koffer
Unglaublich, aber wahr! Eine ganz niedliche kleine Märchenprinzessin mit zwei langen Zöpfen hintenherunter und roten Hackenschuhen. Sie sprang auch sofort mit gleichen Beinen aus dem Koffer heraus, setzte sich darauf und liess die Beine baumeln -und das machte sie so reizend - und fing dann an die allerhübschesten Märchen zu erzählen.

Samstag, 31. Oktober 2015

Ernst Koch: Prinz Rosa-Stramin mit Bildern von Otto Ubbelohde

Ernst Koch (1808 - 1858) könnte man als den letzten deutschen Romantiker bezeichnen. Die Schriften dieses hesischen Dichters sind aber in Vergessenheit geraten. Sein Prinz Rosa-Stramin spendet aber immer noch mit vollen Händen Lebensfreude und Schönheit dem Menschen unserer Zeit; zumal Otto Ubbelohde (1867-1922) den gesamten Bilderschmuck zu diesem köstlichen Buch schuf.


 Frontispiz


 Im Tale klingt lustiger Hörnerton,
Es wartet am Berge die Sennerin schon.

 Links unten liegt die düstere Aue mit grossartigen Baumgruppen und üppigen gewölbten Wipfeln,...

Wie freundlich jener grosse Stern auf mich herniederblickt!

Unter Läuten klappen die Bänke, und die Männer poltern auf den Chören...

Was ist wohl weniger wert als ein Strauss Veilchen? Und ein Kreuzer ist wahrhaftig Geld genug dafür.

Und so fällt auch der Kopf des schlafenden Bauern vorwärts, bis er im halben Erwachen sich wieder emporreisst.

Nahe vor dem Brückentore sind die Weinberge. Auf deren Höhe stieg ich mit der Geige und setzte mich oben auf den grossen Felsen und spielte.

Auf dem Tische stand ein Tannenbäumchen mit vielen Lichtern und einer Menge  goldener und silberner Früchte.

 Ins Gasthauszimmer trete er schnell und behende ein und tue, als wär' er zu Hause,...

 Über der Erde, welche von den Strahlen der untergehenden Sonne geküsst wird, liegt ein golddurchbrochener matter Glanz bis an die fernsten Berge, wie ein grosser wehmütiger Gedanke.

 Wie nun der kleine Paul eines Morgens wieder aufgewacht ist, da hat in dem langen Kasten seine Mutter gelegen,...

"Nehmen Sie Platz!" sagte ich zu dem Adjunktus des Mädchenschullehrers aus Schinkenburg.

Der Adjunktus geriet immer mehr in Eifer und fuhr fort: "Weil ich doch da eben von der Marseillaise gesprochen habe...

Der Einnehmer macht sich nichts daraus, dass der Haarbusch so mutzig aussieht und dass er oben abgebrannt ist. Denn das war im Dienste geschehen, wie der Einnehmer mit dem Tschako über das Licht kam....

- Und da drehte sich jeder Schinkenburger auf dem Absatze herum und ging geradeaus, und es gab keine Weltgegend, wo nicht ein Schinkenburger darauf losmarschierte.

Den Einnehmer aber hat der 1. Dezember sehr gewurmt, und seine Frau hat's ihm gleich angesehen, wie er nach Hause kam.


Ich ging ans Fenster...

Zwischen dem Ober- und dem Unterkörper des Fräuleins war ein starker Einschnitt, der dazu dienen mochte, das Herz mit etwas anderem zu pressen, als mit der Sehnsucht vergeblicher Liebe.

...und als der Nachtwächter 10 rief, ging ich hinunter in meine Stube. Wir drückten uns die Hand.

Erzähle mir! sprich, wie war es? Du hast das Mädchen lieb gehabt?

Die Klänge versäuselten langsam....

Grimmig, wie ich ihn noch nie gesehen, und mit kirschbraunem Gesicht schrie er: "Sollich denn in der Residenzstadt des Kurfürstentums mit einem Kothurn herumhinken? Den linken zog ich vor anderthalber Stunde ohne Schwierigkeiten an, nun der rechte"...

"Gebrauche doch die Peitsche," rief ich. Er tat's, aber das Tier schüttelte den Kopf und drehte sich im Kreise herum.

Gegen Abend zurückgekehrt, besuchten wir die Felsengärten...

Abends sassen wir wieder am Tische im Ritter in der düsteren, aber traulichen Gaststube.


Als Erasmus, den niemand ausser mir beobachtete, den schreienden Orgelkerl hörte, wurde er lustig und liess ohne Rücksicht auf die Kasse Champagner kommen.


Zwei Bilder von Ubbelohde zum Nachwort
 


Donnerstag, 28. Mai 2015

Otto Ubbelohde: Illustrationen zu Deutsche Sagen der Brüder Grimm, Part 2


Der Gemsjäger
...stand plötzlich ein hässlicher Zwerg vor ihm, der sprach zornig: "Warum erlegst du mir lange schon meine Gemsen und lassest mir nicht meine Herde? Jetzt sollst du's mir mit deinem Blute bezahlen!"
...Da stieg er auf, und nicht lange, so erblickte er einen stolzen Leitbock, legte an und zielte. Und als ihm nirgends der böse Zwerg erschien, wollte er eben losdrücken, da war der Zwerg hinterhergeschlichen und riss den Jäger am Knöchel des Fusses nieder, dass er zerschmettert in den Abgrund sank.

 Der Schäfer und der Alte aus dem Berg
Einmal, als es eben Abend werden wollte, trat ein greiser Mann zu ihm und sprach: "Folge mir, so will ich dir die Schätze zeigen, davon du dir nehmen kannst, soviel du Lust hast."

Die Jungfrau mit dem Bart
An dieser Kirche ist als Beiwappen oder Zeichen der Stadt in Stein ausgehauen eine gekreuzigte Nonne, vor welcher ein Mann mit einer Geige kniet, der neben sich einen Pantoffel liegen hat.

Der Krämer und die Maus
Vor langen Jahren ging ein armer Krämer durch den Böhmerwald gen Reichenau. Er war müde geworden und setzte sich, ein Stückchen Brot zu verzehren, das einzige, was er für den Hunger hatte. Während er ass, sah er zu seinen Füssen ein Mäuschen herumkriechen, das sich endlich vor ihm hinsetzte, als erwartete es etwas.

Notburga
Als sie auf der Höhe waren, rauschten die Blätter, und ein schneeweisser Hirsch kam herzu und stand neben Notburga still. Da setzte sie sich auf seinen Rücken, hielt sich an sein Geweih und ward schnell von ihm fortgetragen. Der Diener sah, wie der Hirsch mit ihr über den Neckar leicht und sicher hinüberschwamm und drüben verschwand.

DEr Schweidnitzer Ratsmann
Nun sass der ganze Rat zusammen, trug die Sache vor und schloss dahin, falls man den Dieb herausbringen würde, so sollte er oben auf den Kranz des hohen Ratshausturms gesetzt und verurteilt werden, entweder oben zu verhungern oder bis auf den Erdboden herabzusteigen.

Karls Heimkehr aus Ungerland
Der Bischof liess sich zwei Kerzen von Knechten tragen, die mussten ihm zu dem Dom leuchten; da sah er den Mann auf dem Stuhle sitzen und sprach furchtsam: "Ihr sollt mir sagen, was Mannes Ihr seid, geheuer oder ungeheuer, und wer Euch ein Leids getan, dass Ihr an dieser Stätte sitzet?"  Da hob der Köing an: "Ich war Euch  wohlbekannt, als ich König Karl hiess, an Gewalt war keiner über mich!" 

Der Rosenstrauch zu Hildesheim
Er sandte seine Diener aus, um das Kreuz zu suchen, und gelobte, an dem Orte, wo sie es finden würden, eine Kapelle zu bauen.
 
Das Rad im Mainzer Wappen
Andere fügen hinzu, Willegis habe, von Demütigkeit wegen, ein hölzernes Pflugrad stets an seiner Bettstätte hangen gehabt.
 
Der Markgräfin Schleier
Agnes, Kaiser Heinrichs IV. Tochter, stand mit Leopold dem Heiligen Marktgrafen von Ostreich, den achten Tag ihrer Hochzeit an einem Fenster der Burg und redete von der Stiftung eines Klosters, um die ihm Agnes anlag. Indem kam ein starker Wind und führte den Schleier der Marktgräfin mit sich fort.

Ludwig der Springer
...unterdessen gewahrte Ludwig unten seines Dieners mit den zwei Pferden, da lief er zum Fenster und sprang durch den hohen Stein in die Saale hinab. Der Wind führte ihn, dass er hart ins Wasser fiel, da schwemmte der Diener mit dem ledigen Hengst zu ihm. Der Landgraf schwang sich zu Pferd, warf der nassen Kleider ein Teil von sich und rannte auf seinem Weissen Hengst, den er den Schwan hiess, bis gen Sangerhausen. Von diesem Sprunge heisst er Ludwig der Springer.

Ludwig Ackert mit seinen Adligen
Da nahm er sie und führte sie zu Felde und fand auf dem Acker einen Pflug, darein spannete er die ungehorsamen Edelleute je vier, ahr (riss, ackerte) mit ihnen eine Furche, und die Diener hielten den Pflug; er aber trieb mit der Geissel und hieb, dass sie sich beugten und oft auf die Erde fielen.

 Doktor Luther zu Wartburg
...aber als der Teufel ihn versuchen wollte, griff Luther das Tintenfass, aus dem er schrieb und warf's dem Bösen an den Kopf.
 
 Landgraf Philips und die Bauersfrau
Landgraf Philips pflegte gern unbekannterweise in seinem Lande umherzuziehen und seiner Untertanen Zustand zu forschen. Einmal ritt er auf die Jagd und begegnete einer Bäuerin, die trug ein Gebund Leinengarn auf dem Kopfe...